Metta – das Gebet der liebenden Güte

Eine leise Erinnerung

Es wirkt so simpel.

Ein paar Sätze.
Ein Wunsch.

Und doch ist da etwas, das tiefer geht, als es auf den ersten Blick scheint.

Das Metta Gebet stammt aus der buddhistischen Tradition und ist Teil der sogenannten Metta Meditation – einer Praxis, die darauf ausgerichtet ist, eine Haltung von Wohlwollen und Mitgefühl zu entwickeln.

Wenn man diese Worte liest, wirken sie fast selbstverständlich.

Möge ich sicher und geborgen sein.
Möge ich glücklich sein.

Und trotzdem habe ich gemerkt:
So selbstverständlich sind sie nicht.

Was Metta bedeutet

Das Wort Metta wird meist mit liebende Güte oder wohlwollendes Mitgefühl übersetzt.

Gemeint ist damit weniger ein Gefühl als eine Haltung.

Ein inneres Wohlwollen gegenüber dem Leben.
Gegenüber anderen Menschen.
Und – was oft der schwierigere Teil ist – gegenüber uns selbst.

Metta geht davon aus, dass jedes Wesen im Grunde dasselbe möchte:
glücklich sein und nicht leiden.

Diese Sicht ist einfach.
Und gleichzeitig verändert sie etwas.

Das Metta Gebet

In der Metta Meditation werden bestimmte Sätze wiederholt.
Zuerst für uns selbst:

Möge ich sicher und geborgen sein.
Möge ich gesund sein.
Möge ich glücklich sein.
Möge ich in Frieden leben.

Dann für einen anderen Menschen:

Mögest du sicher und geborgen sein.
Mögest du gesund sein.
Mögest du glücklich sein.
Mögest du in Frieden leben.

Und schließlich für alle Wesen:

Mögen alle Wesen sicher sein.
Mögen alle Wesen glücklich sein.
Mögen alle Wesen in Frieden leben.

Das Metta Gebet als stille Erinnerung

Du kannst dir diese Worte auch als kleine Erinnerung speichern – vielleicht auf deinem Handy oder an einem Ort, an dem du ihnen im Alltag immer wieder begegnest.

Warum es oft nicht so leicht ist, wie es klingt

Am Anfang wirkt das Metta Gebet fast zu einfach.

Bis man beginnt, es wirklich zu sprechen.

Und vielleicht merkst du dabei etwas, das viele erleben:

Dass es gar nicht so leicht ist, sich selbst diese Worte zu sagen.

Nicht, weil sie kompliziert sind.
Sondern weil sie so direkt sind.

Sich selbst Sicherheit, Frieden oder Glück zu wünschen, fühlt sich für viele ungewohnt an.

Und gleichzeitig beginnt genau dort etwas.

Nicht laut.
Nicht spektakulär.

Aber spürbar.

Vom Ich zu allen Wesen

Wenn man diese Praxis weiterführt, verändert sich noch etwas anderes.

Der Wunsch weitet sich.

Von uns selbst
zu einem anderen Menschen
und irgendwann zu allen Wesen.

Und auch das ist nicht selbstverständlich.

Einem Menschen, den man liebt, etwas Gutes zu wünschen, fällt leicht.
Einem neutralen Menschen vielleicht auch noch.

Aber allen?

Vielleicht sogar Menschen, mit denen es schwierig ist?

Hier zeigt sich, dass Metta keine romantische Idee ist, sondern eine Übung.

Eine Übung darin, das eigene Herz weiter werden zu lassen, als es im Alltag oft ist.

Metta bedeutet nicht, alles gut finden zu müssen

Dabei geht es nicht darum, alles gutheißen zu müssen.

Metta bedeutet nicht, dass wir unsere Grenzen aufgeben oder schwierige Gefühle verdrängen sollen.

Wohlwollen kann sehr klar sein.

Wir können einem Menschen innerlich Frieden wünschen
und gleichzeitig entscheiden, Abstand zu halten.

Wir können Mitgefühl empfinden
und trotzdem deutlich spüren, was für uns nicht stimmig ist.

Metta fügt dem Leben keine zusätzliche Härte hinzu.
Aber es nimmt uns auch nicht unsere Klarheit.

Eine Praxis, die sich ins Leben bewegt

Das Metta Gebet ist nicht nur eine Meditation.

Es kann ein Gedanke im Alltag werden.

Ein kurzer Moment am Morgen.
Ein stiller Gedanke am Abend.

Oder ein Augenblick zwischendurch, in dem wir uns daran erinnern:

Möge ich in Frieden leben.
Mögest du in Frieden leben.

Vielleicht verändert sich dadurch nicht sofort alles.

Aber vielleicht verändert sich etwas in dir.

Ein Blick.
Ein Gedanke.
Ein Moment, in dem es ein wenig weiter wird.

Vielleicht ist Metta genau das

Es wirkt so simpel.

Und doch bewegt sich etwas, wenn man es wirklich in seine Praxis aufnimmt.

Vielleicht ist Metta genau das:

Ein stiller Wunsch,
der sich langsam ausdehnt.

Von uns selbst
hin zu anderen
und irgendwann weiter.

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