Das alles bin ich
Manchmal beginnt Frieden nicht damit, alles an dir zu lieben.
Sondern damit, dich nicht länger dafür zu verurteilen.
Wenn ein Satz etwas in dir öffnet
Manchmal bleibt ein Satz hängen.
In einem Lied.
In einem Moment, in dem du gar nicht damit rechnest.
Und plötzlich macht etwas in dir auf.
Nicht laut.
Nicht dramatisch.
Aber spürbar.
Das alles bin ich.
Dieser Satz hat mich getroffen.
Weil er so einfach klingt.
Und doch so viel mitbringt.
Wir nehmen uns selten als Ganzes an
Meistens mögen wir bestimmte Seiten an uns.
Die klaren.
Die freundlichen.
Die ruhigen.
Die starken.
Die, die funktionieren.
Und andere Seiten schieben wir weg.
Die empfindliche.
Die wütende.
Die unsichere.
Die müde.
Die zweifelnde.
Die, die nicht mehr kann.
Die, die nicht mehr will.
Als wären nur bestimmte Teile von uns richtig.
Als müssten wir erst anders werden, bevor wir mit uns selbst in Frieden kommen dürfen.
Annahme heißt nicht, alles gut zu finden
Vielleicht beginnt Annahme gar nicht damit, dass wir alles an uns lieben.
Vielleicht beginnt sie viel leiser.
Damit, dass wir aufhören, gegen uns selbst zu arbeiten.
Du musst nicht jede Seite an dir mögen.
Nicht sofort.
Nicht auf Knopfdruck.
Aber vielleicht darfst du anfangen, sie nicht mehr wegzudrücken.
Vielleicht darfst du fragen:
Was will mir diese Seite zeigen?
Was schützt sie?
Worauf macht sie mich aufmerksam?
Wo bin ich über meine Grenze gegangen?
Wo habe ich mich selbst übergangen?
Wo brauche ich mehr Ehrlichkeit mit mir?
Denn manchmal ist das, was wir an uns ablehnen, nicht unser Fehler.
Manchmal ist es ein Hinweis.
Deine Wut zeigt vielleicht eine Grenze.
Deine Müdigkeit zeigt vielleicht, dass du zu lange stark warst.
Dein Rückzug zeigt vielleicht, dass du Raum brauchst.
Deine Unsicherheit zeigt vielleicht, dass etwas in dir noch Zeit braucht.
Deine Traurigkeit zeigt vielleicht, dass etwas wichtig war.
Das heißt nicht, dass alles bleiben muss, wie es ist.
Annahme ist keine Ausrede.
Sie ist nicht:
So bin ich eben.
Sie ist eher:
Da ist etwas in mir, das ich nicht länger übergehen möchte.
Und genau dort beginnt oft der erste echte Kontakt mit uns selbst.
Wenn du nicht mehr weggehst
Und vielleicht ist genau das der schwerste Teil.
Nicht die Erkenntnis.
Sondern der Moment danach.
Wenn du spürst, dass da etwas in dir ist, das du lange übergangen hast.
Und nicht sofort wieder weggehst.
Nicht sofort bewertest.
Nicht sofort erklärst.
Nicht sofort besser wirst.
Sondern einen Moment bei dem zu bleiben, was gerade da ist.
Bei der Seite in dir, die du vielleicht lange weggeschoben hast.
Nicht, um sie größer zu machen.
Nicht, um dich darin zu verlieren.
Sondern um zu erkennen:
Auch das gehört gerade zu mir.
Auch das hat eine Geschichte.
Auch das will mir etwas sagen.
Vielleicht schützt deine Härte etwas sehr Weiches.
Vielleicht hält deine Kontrolle etwas zusammen, das lange keinen Halt hatte.
Vielleicht ist deine Müdigkeit nicht Schwäche, sondern ein ehrliches Signal.
Vielleicht ist deine Wut nicht falsch, sondern längst überfällig.
Vielleicht ist dein Rückzug nicht Kälte, sondern Selbstschutz.
Und vielleicht musst du dich dafür nicht länger verurteilen.
Du darfst hinschauen.
Sanft.
Ehrlich.
Ohne dich kleinzumachen.
Das alles bin ich
Das alles bin ich.
Nicht perfekt.
Nicht fertig.
Nicht immer leicht.
Aber wahr.
Die klare Seite.
Und die unsichere.
Die starke.
Und die müde.
Die liebende.
Und die, die Grenzen braucht.
Die, die vertraut.
Und die, die manchmal Angst hat.
Die, die weitergeht.
Und die, die zwischendurch stehen bleiben muss.
Vielleicht ist genau das der Anfang.
Nicht mehr zu sagen:
So darf ich nicht sein.
Sondern leise zu fragen:
Was zeigt sich gerade in mir?
Und dann dort bleiben.
Einen Moment.
Ohne alles sofort zu lösen.
Ohne dich innerlich wieder zu sortieren.
Ohne dich dafür zu verurteilen, dass du Mensch bist.
Vielleicht wird es nicht sofort leicht.
Aber vielleicht wird es ein kleines bisschen friedlicher.
Weil du aufhörst, dich selbst in Teile zu zerlegen.
Weil du beginnst, dich mitzunehmen.
Mit allem, was du bist.
Das alles bin ich.
Eine kleine Übung für dich
Wenn du dir selbst wieder etwas freundlicher begegnen möchtest, kann das Metta-Gebet ein sanfter Anfang sein.




