Ich vermisse mich.
Dieser Satz war plötzlich da.
Und ich glaube, wir kennen dieses Gefühl öfter, als wir denken.
Wie oft verlassen wir uns selbst ein kleines Stück, um dazuzugehören?
Wir sagen etwas nicht.
Wir machen uns kleiner.
Wir schlucken herunter, was eigentlich rausmöchte.
Wir passen uns an eine Stimmung, eine Beziehung, eine Familie, eine Vorstellung an.
Nicht immer bewusst.
Manchmal beginnt es ganz leise.
Wir merken, was gut ankommt.
Was einfacher ist.
Welche Version von uns weniger aneckt.
Welche erwartet wird.
Und irgendwann bewegen wir uns so selbstverständlich in ihr, dass wir kaum noch merken, dass wir uns selbst dabei irgendwo zurückgelassen haben.
Was bleibt, ist oft nur dieses diffuse Gefühl, dass etwas fehlt.
Dann suchen wir es im Außen.
In einem anderen Leben.
In mehr Freiheit. Mehr Nähe. Mehr Leichtigkeit.
Dabei vermissen wir manchmal einfach uns.
Die Teile von uns, die wir still gemacht haben.
Die Wahrheit, die wir nicht mehr ausgesprochen haben.
Die Lebendigkeit, die nicht mehr überall hineinpasste.
Und vielleicht lohnt es sich, diesem Vermissen einmal zu folgen.
Nicht mit der Frage:
Wer müsste ich sein?
Sondern:
Wo habe ich mich verlassen?
Wo sage ich noch Ja, obwohl etwas in mir Nein sagt?
Wo halte ich mich zurück, damit ich hineinpasse?
Wo spüre ich, was meines wäre, und gehe trotzdem darüber hinweg?
Nicht, um jetzt alles zu verändern.
Sondern um mich wieder zu bemerken.
Und vielleicht an einer einzigen Stelle heute anders zu entscheiden.
Mich nicht wieder zu verlassen.
Mich nicht wieder kleiner zu machen.
Mich nicht wieder zurückzulassen.
Vielleicht beginnt Rückkehr genau so.
Nicht mit einem großen Neuanfang.
Sondern mit diesem stillen Entschluss:
Ich vermisse mich.
Und ich hole mich zurück.
Stück für Stück.
Dorthin, wo ich mich wieder spüre.
Dorthin, wo ich mir selbst wieder glaube.
Dorthin, wo ich bei mir bleibe.
Auch dann, wenn ich dadurch nicht mehr überall hineinpasse.




