Leise Wege – Die Angst vor dem Sichtbarsein
Wie wir Schritt für Schritt sichtbar werden, ohne uns zu verlieren
Es gibt viele Ängste, die man erklären kann:
Die Angst vor Höhe, vor Spinnen, vor Dunkelheit.
Aber die Angst vor Sichtbarkeit fühlt sich anders an.
Sie ist nicht greifbar. Sie versteckt sich.
Sie tarnt sich als Bescheidenheit, als Rücksicht, als „Ich brauch das nicht“.
Tief drinnen ist sie da:
Diese Sorge, dass etwas passiert, wenn man sich wirklich zeigt.
Vielleicht wirst du verurteilt.
Vielleicht wirst du nicht verstanden.
Vielleicht hält man dich für schwach, seltsam oder zu sensibel.
Oder – das Erschreckendste – vielleicht wirst du gar nicht gesehen.
Ich kenne diese Angst gut.
Sie hat mich oft zurückgehalten.
Ich habe mich lieber angepasst als angeeckt.
Lieber geschwiegen, als gespürt, wie sich Ablehnung anfühlt.
Lieber die Sätze im Kopf behalten, als sie in die Welt zu entlassen – ungeschützt, verletzbar.
Aber die Angst ist kein Feind.
Sie ist oft ein Echo von alten Erfahrungen.
Momente, in denen wir übergangen wurden.
In denen wir zu viel waren – oder zu wenig.
In denen uns niemand den Raum gehalten hat, den wir gebraucht hätten.
Sie will schützen. Nur hat sie manchmal vergessen, dass wir heute größer, stärker, bewusster sind.
🌱 Was hilft?
Nicht mit Gewalt durchbrechen.
Nicht sich zwingen, „endlich sichtbar“ zu sein.
Sondern kleine, liebevolle Schritte:
• Eine Wahrheit aussprechen – auch wenn die Stimme zittert.
• Einen Text veröffentlichen – obwohl die Hände schwitzen.
• Ein Bild posten – obwohl das Herz schneller schlägt.
• Sanft mutig sein.
Ich schreibe diesen Beitrag nicht als Expertin.
Ich schreibe ihn als eine, die auf dem Weg ist.
Die immer wieder zögert – und trotzdem geht.
Die gelernt hat: Sichtbarkeit heißt nicht, laut zu sein.
Sichtbarkeit heißt: echt zu sein.
Und vielleicht reicht heute genau das.
