Leise Wege – Ich bin eine von den Leisen
Den Mut finden, still zu sein und dennoch sichtbar
Ich bin eine von den Leisen.
Schon immer.
Ich habe mich oft im Hintergrund gehalten, Worte verschluckt, Blicke gesenkt.
Nicht, weil ich nichts zu sagen hatte – sondern weil ich nicht wusste, ob meine Art zu sein überhaupt willkommen ist.
Lange dachte ich, man müsse laut sein, schnell, präsent, sichtbar – das schien der einzige Weg.
Gleichzeitig war es sicher, unsichtbar zu bleiben.
Nicht auffallen, keinen Fehler machen, keinen Schmerz riskieren.
Aber diese Sicherheit hatte ihren Preis: eng, begrenzt, einsam.
Denn wer sich versteckt, erlebt nur einen Teil von sich selbst.
Dieser Raum ist mein Ort, das zu wandeln.
Nicht plötzlich. Nicht mit einem großen Knall.
Sondern still. Schritt für Schritt.
In meiner Sprache. In meinem Tempo.
Mit Worten, die ich lange zurückgehalten habe.
Mit Gedanken, die jetzt einen Platz bekommen.
Ich schreibe das für mich.
Und für dich – wenn du dich in diesem Stillsein erkennst.
Wenn du auch gelernt hast, dass Zurückhaltung eine Form von Selbstschutz ist – und langsam spürst, dass du mehr bist als deine Angst.
Wir leben in einer Welt voller Stimmen.
Manche laut, manche grell, manche fordernd.
Aber ich glaube, auch die Leisen dürfen ihren Platz einnehmen.
Nicht obwohl sie leise sind. Sondern gerade deswegen.
Und vielleicht beginnt heute etwas – ganz leise.
Hier.
Mit diesem ersten Wort.
Mit dieser ersten Sichtbarkeit.
